Die ROSTOCKVILLA
Die Liegenschaft der  ROSTOCK-VILLA ist ein Teil der alten ALBRECHTSBURG. Deren Bau wurde noch unter Ottokar Premisl (1251-1276) begonnen und unter dem ersten Habsburgischen Landesfürsten ALBRECHT I. vollendet, der sich oft hier aufhielt. Als Residenz wurde sie nach dessen Tod nicht mehr benützt, und vermutlich begann der Verfall relativ bald. Im späteren Verlauf des Mittelalters scheinen um 1450 schon private Eigentümer auf - ­ unter anderen die bedeutende Patrizierfamilie WISENT (Wisentgasse) oder auch ein Freiherr HANNS LUDWIG KUEFFSTAIN. Vielleicht in der Folge der 1. Türkeninvasion (1529) wurde sie als "Zeugstadl" 1537 von der Stadt übernommen.

(Verfallene Albrechtsburg von der Schießstattgasse aus gesehen)

Eine Schießstätte dürfte schon die unter Herzog ALBRECHT und mit dem besonderen Wohlwollen der Herzogin ELISABETH gegründete "SCHÜTZENZECH", die spätestens 1664 als Grundeigentümerin
aufscheint, unterhalb der Burg betrieben haben.
1730 gibt die Stadt eine eigene "Schützenordnung" heraus - vermutlich um Unzukömmlichkeiten hintanzuhalten und den Betrieb in geordneten Bahnen zu gewährleisten.
1791 wurde das Schützenhaus unter dem Schützenmeister JOHANN GEORG AICHINGER an ANDRE ZINSMAYER verkauft.
1817 wurde der Großteil der Burgruine abgerissen und ein gewisser RUTHNER richtete eine Bierausschank ein. Von GRILLPARZER und UHLAND wissen wir, dass sie nach einem Besuch bei LENAU in Weidling in dieser Gaststätte eingekehrt waren.
Infolge der hohen Erhaltungskosten des Schützenhauses wurde ein Teil davon ab 1845 als Theater adaptiert.
Wegen ständiger Beschwerden über den Lärm beim Schießen - jeden Sonntag ab 14h bis spät in die
Nacht! - fand das letzte Scheibenschießen 1870 statt.
Nach einer Statutenänderung 1871 wirkte die nun seit 1872 existierende "BOLZENSCHIESSGESELLSCHAFT" (auch "KLOSTERNEUBURGER SCHÜTZENVEREIN") bis 1878 auf diesem Gelände.
1882 wurden Teile der Liegenschaft an Bürgermeister GADES verkauft. Das Schützenhaus mit Salon, Theater und Schussbahn - aber ohne Gasthaus - übernahm die Stadtgemeinde.
1910 richtete die Nussdorfer Brau A.G.als Eigentümerin des Restaurants einen Gastgarten mit Musikpavillon ein.

Bald darauf erwirbt die Familie ROSTOCK das Gelände, auf dem REINHOLD ROSTOCK ab 1921 mit den Hausnummern SCHIESSSTATIGASSE 2 und 2a das heute unter dem Namen "ROSTOCKVILLA" bekannte Doppelwohnhaus durch den Architekten J.W.TOBLER in einem neuromantisehen Stil errichten lässt. Dazu ist zu bemerken, dass zu dieser Zeit bereits der Jugendstil von Art Deco und Neuer Sachlichkeit abgelöst worden waren!

(1925 ist Eigentümerin die von REINHOLD ROSTOCK gegründete Firma "STANDFASSWERKE ROSTOCK & BAERLOCHER)

Damals wurden Änderungen im Gebäudeinneren durchgeführt. Die Firma befasste sich mit der Errichtung von Stahlbetontanks zur Vergärung und Lagerung von Wein in allen Gebieten der Monarchie und auch in Südamerika. ln Berlin gab es seit 1929 ein Zweigbüro und in Noisy le Sec (Seine) eine Schwesterfirma.
 
1945: Eine angeblich deutsche Eigentümerschaft bewirkte die Einstufung des Unternehmens als "Deutsches Eigentum". Die Rostockvilla wurde dementsprechend von den Sovjets kassiert, die darin ihre Ortskommandantur etablierten, woran sich ältere Mitbürger noch mit gemischten Gefühlen erinnern.
Die öffentliche Verwaltung wurde aber 1953 aufgehoben und nach vorübergehendem Eigentum der Salzburger "Reinhold-und-Anna-Rostock'schen Jungbauernstiftung" übernahm alle Eigenturnrechte die Stadtgemeinde Klosterneuburg.
Mit Beschluss vorn 18.12.1959 wurde die Umwandlung des Bauwerkes in ein Altenheim festgelegt, das irn Juni 1964 eröffnet wurde und in Betrieb blieb, bis das erste "Agnesheirn" in der Hofkirchnergasse bezogen werden konnte.
1974 wurde das Gebäude anlässlich der 20-jährigen Wiedereinführung der Selbstständigkeit Klosterneuburgs in ein Stadtmuseum  umgestaltet- wesentlich unter der Ägide des Ehepaares Dr. MAX und Prof. ELISABETH WELLNER - und mit einer instruktiven historischen Sonderausstellung eröffnet.
Es folgten darauf die Einrichtung der Kellergallerie des KÜNSTLERBUNDES, des MÄHRISCH-SCHLESISCHEN HEIMATMUSEUMS und 1990 des FEUERWEHRMUSEUMS.
ln der Zwischenzeit wurde der Gebäudezustand immer desolater und nach dem Bau des neuen Hauses für MUSIKSCHULE und STADTMUSEUM musste vor allem nach einem Sanierer gesucht werden.

ln diesem Sinn erfolgte 2007 der Verkauf. an das Land Niederösterreich um € 1,5 Mill. Vorgesehen war ursprünglich die Einrichtung eines "Lesekompetenz-Zentrums" - vielleicht auch unter dem Eindruck der "Pisa-Studie".
Seitdem sind alle schließlichen Nutzungspläne eher nebulos. Künstlerbund und Heimatmuseum dürfen zwar noch bleiben, aber ihre Zukunft ist nicht viel ungewisser, als die des Feuerwehrmuseums. Eine zaghafte Hoffnung mag sich in der zu erwartenden Nutzung von Gebäuden im Bereich der derzeitigen Pionierkaserne im Gewerbegebiet anbahnen.......

Zweimal wurden auch Filmaufnahmen in der romantischen Anlage gedreht:

2006 als Hauptquartier des KZ-Kommandanten im Oscar-prämierten Werkes "Der Fälscher" von STEFAN RUZOWIZTKY und die Neuauflage von "Kottan ermittelt" von PETER PATZAK.

(Klosterneuburg als Filmkulisse

Karl Markovics bei den Dreharbeiten in der Rostockvilla

Regisseur Peter Patzak, Darsteller Robert Stadlober und .,Kottan" Lukas Resetarits (v.l.)


Text von Arch. Reinhold Gabriel (c)2011